Nun bin ich, liebe Lou, in meinem kleinen Garten-Haus und es ist nach vieler Unruhe die erste stille Stunde darin; nun hat alles in dem schlichten Raum seine Stelle, wohnt und lebt und läßt sich Tag und Nacht geschehen; und draußen, wo so viel Regen war, ist ein Frühlingsnachmittag, sind die Stunden irgend eines Frühlings, der vielleicht morgen nicht mehr sein wird, der aber jetzt ist wie von Ewigkeit her: so sehr im Gleichgewichte ist der leichte schlanke Wind, dem sich die Blätte nachbewegen, des Lorbeers glänzende Blätter und die unscheinbaren Blätterbündel in den Steineichen-Büschen, so getrost sind die kleinen röthlichen Knospen an den kaum leergewordenen Bäumen und so groß ist der Duft, der aufsteht aus dem lichtgraugrünen Narzissenfeld in meinem stillen Gartenthal, das ein alter Brückenbogen nachdenklich überspannt. Ich habe von meinem flachen Dach die schweren Reste des Regens gefegt und welke Eichenblätter zur Seite geräumt und das hat mich warm gemacht und nun, nach der kleinen wirklichen Arbeit, klingt mir das Blut wie in einem Baum. Und mir ist, zum allerersten Mal nach langer Zeit, ein ganz klein wenig frei und festlich zu-muth und so, als ob Du bei mir eintreten könntest....

 

Rainer Maria Rilke - Frühling, Insel

 

Ein frohes Osterfest wünschen Anne und Helge

 

und das Team vom Hof am Mühlbach

 

                                           Julia Voit, Schorndorf